Viel mehr als „16 Wörter“

 

„Entweder, ich passe mich an, ordne mich unter und bleibe mein Leben lang der nette, ewig dankbare Typ aus dem schlimmen Land, dem sie gnädigerweise Asyl gewährt haben und auf den sie immer ein kleines bisschen hinabschauen dürfen. Oder aber ich spiele die Rolle des…“ 

Willst du wissen, welchen Platz Ali Najjar für sich auserkoren hat? Dann zögere nicht und lies „Das Paradies meines Nachbarn“ von Nava Ebrahimi –  du wirst überrascht sein. 

Die diesjährige Bachmannpreisträgerin Nava Ebrahimi hat am 14. Oktober im Festsaal des ORGs aus ihrem zweiten Roman „Das Paradies meines Nachbarn“ gelesen und dabei genauso authentisch gewirkt, wie ihre Romane. Bei der Lesung, die in Zusammenarbeit mit der Stadtbibliothek Vöcklabruck stattgefunden hat, zeigt sich die 1978 in Teheran geborene, in Deutschland aufgewachsene und in Österreich lebende Autorin nicht nur als Kennerin von Okzident und Orient. Nein, sie geht mit ihren Figuren selbst auf Entdeckungsreise; stört die Erwartungen, die die Leser bestimmten Traditionen und Kulturen gegenüber haben. Sie spielt auf historische Ereignisse an und fokussiert darauf, was trotz vieler Nachrichten im TV verborgen geblieben ist. Sie überrascht mit wort- und bildgewaltiger Sprache, nennt Dinge beim Namen und verblüfft mit Unerwartetem, oft mit Unerträglichem.

Ihre Charaktere sind nicht bloße Handlungsträger, sondern ausgefeilte Figuren, die das Geschehen selbst sind. Meist hätten sie reale Vorbilder, die vorm Schreiben genauestens inspiziert werden, verrät die Autorin im Gespräch nach der Lesung. Ob man nun „Das Paradies meines Nachbarn“ oder ihren Debutroman „16 Wörter“ liest, man wird möglicherweise die Sichtweise auf das Fremde und das Eigene überdenken und dann sagen… ein verdienter Bachmannpreis.